Weggehen
Ich bewege mich weg, vom bekannten, gewohnten, vertrauten, meinem Daheim. Ich schliesse die Türe auf und trete in die kalte Nacht hinaus und lasse das Haus, meine Kinder, meine Frau zurück. Ich trage meinen Koffer vom Haus weg, damit ich niemanden wecke, auf der Strasse angekommen meinen Koffer ziehend, hascht mein Blick zurück zum Haus, Wehmut überkommt mich, ich atme tief ein und tief aus, bevor ich auf dem Perron entlang gehe, das Dorf schlafend zurücklasse. Das Bähnli bewegt sich ruckartig fort, die eingefrorenen Fahrleitungen symbolisieren meine Bereitschaft zu gehen: ich muss und will gehen, doch Zweifel schwingen am Rand mit, wie wird es, lässt sich soviel Verdrängtes in einer Woche hochbringen, wieviel Dunkelheit wird sich über mich, das Ferienhaus, den Ort ausbreiten, wenn der Fluss der Ehrlichkeit, die Wahrheit ans Tageslicht bringen muss und will, meine Seele es zulassen soll und muss, bevor der Tag anbrechen kann ist es immer dunkel, kalt.
Ankommen
Der Flug verspätet sich. Die Bahnverbindung kann deshalb nicht mehr erreicht werden, obwohl die Passkontrolle aufgrund des kleinen Flughafens enorm effizient ist. Ich schreite den geheizten Taxiunterstand bei -6 Grad ab, frage die Dame wieviel mich eine Fahrt nach Huntly kosten würde (möchte unbedingt noch bei Tageslicht in Huntly ankommen). Die progostizierten £ 75 werden faktisch zu über £90 was für mich schlussendlich stimmt. Die Landschaft, verschneit, erinnert mich an das Berner Mittelland, einfach weiter und grösser, ab und an begegnen uns Steinhäuser, dann wieder Weite. Ab und an eine Schafherde ohne sichtbaren Unterschlupf, oder Shettland-Ponys. Früher als die Bahn mich nach Huntly bringen konnte, fahren wir in Huntly ein. Der Taxifahrer nett aber eher wortkarg, hilft beim Gepäck ausladen und verabschieden sich. Ich trage das Gepäck zwischen zwei Häusermauern hindurch via Garten mit schmuckem Gartenhäusschen, stelle den Schlüsselsafe so ein, dass er mir den Schlüssel gibt, öffne die Türe und freue mich über die sauber geputzte mit dicken, flauschigen Spannteppichen, gut geheiztem Reihenhäuschen, Duschkabine. Kein Schnicknack, so wie es gerne habe: schön, aber praktisch und einladend. Nachdem ich die Kleider im Schrank aufgehängt, resp. eingeräumt habe, mache ich mich mit Rucksack und der Bäre-Lidl-Tasche auf den Weg ins Städtchen. Es beginnt bereits einzudunkeln. Die auf Google-Maps beworbene Bäckerei finde ich nicht und finde später heraus, dass diese in den Dorfkern gezügelt hat. Ich folge treu meinem GPS und finde nach kurzem Gehweg über Schnee (die Nebenstrassen und speziell die Trottoirs scheinen nicht vom Winterdienst verwöhnt zu werden) erreiche ich den Lebensmittelladen. Kaufe das Nötige ein und schwatze noch kurz mit der Verkäuferin, bevor ich mich auf den Weg zurück an die 21 old road mache. Es gefällt mir hier, fühle mich nicht eingenommen, sondern kann mich frei bewegen. Ich verstaue die Lebensmittel, mache einen Videocall mit der Familie und esse noch etwas. Bete und bitte Gott einen feurigen Schutzwall um das Haus zu bauen, die Familie und mich zu schützen. Bitte Gott, den heiligen Geist und Jesus, dass ich bereit bin, bereit für diese kommenden Tage. Gott meint es gut mit mir: Nadia hat mir bereits am Morgen geschrieben, dass die Wohnung bezugsbereit sei. So war es kein Problem, dass ich 30 Minuten vor dem offiziellen Check-in da war, habe mich abgeholt gefühlt. Im Flug die erste Reihe mit viel Beinfreiheit und ohne Sitznachbars, war toll. Habe mir eine Cola und ein Croque Monsieur gegönnt. Der Flug hatte über eine Stunde Verspätung (wie am Anfang kurz erwähnt). Das Restaurant, Café “The Bank” hat es mir angetan. Das Interieur gefällt mir sehr gut und ich werde sicherlich so bald als möglich dort essen gehen. Bin gespannt. Das Essen schmeckt hier einfach hervorragend, dass ist mir eben aufgefallen. Um 17.15 Uhr ist bereits tiefste Nacht. Der Mond und die Sterne wie auch die Sonne scheinen auf dieser Breitengrade heller und klarer zu leuchten. Ich werde nicht mehr nach draussen gehen, sondern den Abend irgendwie ausklingen lassen, wie weiss ich noch nicht. Der Rücken hat mich auf der anderen Seite wieder geschmerzt, musste Salbe auftragen, jetzt geht es besser. Du alter Knabe, du.
Oswald Chambers, Theologe aus Aberdeen
Es ist ein besonderer Moment, wenn uns bewusst wird, dass wir die Macht haben, bestimmte Stimmungen zu ersticken; eine unglaubliche Befreiung, wenn wir jede Art von Ichbezogenheit loswerden und nur eines im Blick haben: die Beziehung zwischen Gott und uns.









