Wie soll ich beten? Ist das Naheliegendste relevant, die eigene, die des Nächsten Befindlichkeit das Ziel meines Gebetes, dass es mir, dem Nächsten wieder gut geht, doch was ist gut, ist gut, was mich schlafen lässt, mich beruhigt, mich erlöst, von meinem Sorgen, ihrem Leid, meinem Stress. Sind wir, geben wir uns zufrieden mit der Symptombekämpfung? Weshalb gehen wir nicht tiefer und fragen nach dem Weshalb, dem Wieso oder besser, bitten wir seinen Willen in unser, aller Leben hinein mit dem Wissen, dass er weiss was wir und der Nächste braucht. In ihm ist keine Finsternis. Der er ist ein Gott, der seine Bäume tief verwurzelt sehen möchte, tiefer in ihm, dem Lebenswasser.
Es reizt mich, du reizt mich, ich reize mich. Ich bin überreizt.
Reize ich meine Gereiztheit aus, die Gereiztheit, welche mich bewahrt, mich gleichgültig gegenüber des effektiven, relevanten und ewigen macht, mir das Gefühl gibt Herr zu sein, über meine Befindlichkeiten. Denn wenn ich Herr sein will, dann bin ich Sklave, dann kann ich es nicht lassen, dann kann ich nicht davon lassen, es sein lassen, es aufgehoben zu wissen, in den Händen des Herrn. Ich kann das Leben, das Spiel des Lebens nicht überspringen, ich bin nicht Herr, ich gehöre nicht mir, ich habe das einzige erhalten, was ich weggeben kann, mein Herz, damit, er der Herr, es beleben kann, denn das das Herz ist dazu bestimmt, zu Gott zu finden, ihm zu vertrauen. Dann finde ich heim, dann finde ich dorthin, wo alles Sinn ist und macht. Ja, dann wenn ich mit ihm bin, Sohn bin, nicht Sklave, bei ihm in Ewigkeit regierend.
Wir streben danach, dass auch nach dem Ableben etwas von uns übrigbleibt, an was sich die Welt erinnert, sich an uns erinnert. Wir glauben, dass wir der Mittelpunkt sind, ich verstehe, das haben alle irgenwie angestrebt, alle über Zeitepochen, Status hinweg. Doch wer wird sich in 100 Jahren noch ab uns erinnern, wissen wer wir sind und was wir getan, uns reflektiert, Gutes, Weltbewegendes getan haben? Wir wissen es nicht, vielleicht zitiert uns noch jemand, doch sie wissen nichts mehr von uns, was uns ausgemacht hat, nur noch ein vernebeltes Bild aus längst vergangenen und für die neue Generation irrelevanter Zeiten. Wir reihen uns ein in die Vergangenheit, in das Verflossene, Ausgeschüttete, Beendete.
Was macht uns aus, was, nein, wer macht uns aus, über alle Zeitepochen hinweg. Er der uns gemacht hat. In ihm verbindet sich das Gestern, das Heute und das Morgen. Er, der Anfang und das Ende. Er ist, Jesus ist unsere Legacy, in ihm ist keine Finsternis, in ihm wurzeln, gedeihen und verändern uns von Erschaffenen zu Gezeugten. Das ist unsere Legacy, ihn zu wollen, weil er uns will und darauf und daraus fliesst alles, alles was uns Menschen grundsätzlich und zu tiefstst verändert hin zum ewigen Frieden und Ruhe.
Bin ich zu nett, zu streng, zu direkt, zu scheu, zu laut, zu leise, zu hungrig, zu abstinent, zu grosszügig, zu kleinlich, zu blauäugig, zu kritisch, zu ängstlich, zu überheblich, zu traurig, zu begeistert?
Wie kann ich meine Geister unterscheiden, was ist richtig, was falsch, was Gott zugewandt, was nicht, oh, mein Herz, ich weiss es nicht.
Jeder Schritt ist der falsche, wenn ich von dir weggehe
Sich auf meine Gefühle verlassen?
Wie meine Tochter, so auch ich: die dicke Raube verpuppt sich mit Widersprüchen und das enge Gefäss der Befindlichkeit drängt auf mein Herz, meine Lunge, meine Freude, meine Gelassenheit, meine Träume ein. Will ich dich nur, damit ich frei werde und nicht mehr leiden muss?
Glaube ich nur so viel, reicht mir das Vegetieren und Überleben, mich zu überleben?
Wer ist grösser, ruft mir Gott zu, wer ist allmächtiger und kennt die Sehnsüchte des Menschen, wer hat diese geformt und in dich gelegt.
„The Lord knows what men need; they know only what they want. They want ease; he knows they need purity.” George Macdonald
„Man finds it hard to get what he wants, because he does not want the best; God finds it hard to give, because He would give the best, and man will not take it.” George Macdonald
…kommt alle zu mir, die ihr mühlelig und beladen seid, ich will euch erquicken… Jesus Christus
Im christlichen Kontext gibt es zwei Arten von Wettbewerb: die Disziplin des Rennens und die Disziplin des Steinwerfens. Wir widmen uns zuerst der Disziplin des Steinwerfens, sozusagen als Ergänzung zum Text von letzter Woche. Das Haus Gottes hat verschiedene Räume, verschiedene Konfessionen, verschiedene Schwerpunkte, in meiner Interpretation auch stark differenziert und aufgezeigt in den Briefen von Paulus an die verschiedenen Gemeinden (nicht nur örtlich). Für die einen steht der Verstand mehr im Fokus (Römer) für andere die Liebe und die Geistesgaben (Korinther), für andere die Anleitung zur Kampfführung (Epheser). Gemeinden formen sich in den meisten Fällen von Menschen mit ähnlichen Ansichten oder ähnlicher Begabungsstruktur. Intuitive (resp. prophetische) Menschen suchen sich Gemeinden mit heiligem Geist im Fokus, traditionelle (resp. lehrerbegabte) Menschen suchen sich Gemeinden mit Fokus der Bibelauslegung, soziale (resp. hirtische) Menschen suchen sich Gemeinden mit Schwerpunkt Nächstenliebe usw.
Wir positionieren uns aus der eigenen Begabungsstruktur, aus der eigenen Gemeindephilosophie, was an und für sich nicht schlecht ist. Dann, wenn wir uns als Strömung sehen, in welcher Gott ausnahmslos wirken kann (und damit die anderen Strömungen verneinen oder gar ausschliessen, resp. degradieren), ergibt sich ein Problem. Dann wenden wir an unseren Mitchristen und grundsätzlich an Menschen, die unser Weltbild nicht teilen, die olympische Disziplin des Steinwerfens an.
Der Fokus eines christlichen Lebens basiert auf meiner Verantwortung gegenüber mir selbst. Ich kann nicht meine Ideologien, meine Glaubenspunkte in das Zentrum stellen, nein, sondern Jesus. Nur ihn. Ihm jage ich nach, weil ich weiss, dass er das Zentrum ist, um den Siegespreis zu erlangen. Nur durch die Beziehung zu Jesus, Gott Vater und dem heiligen Geist kann ich mich im rechten Licht sehen, kann ich Licht und Salz sein, aus der eigenen Betroffenheit heraus, aus dem Wissen das der grösste “Löu im Umzug” ich bin und ich den ersten Schritt zur Versöhnung, zum Niederlegen meiner theologischen Ansichten mache nicht muss, sondern will.
Das Leben verlangt viel ab. Wir werden gebraucht, verbraucht und sehnen uns nach Inseln der Erholung, ja wenn wir ehrlich nach Inseln der Erlösung, kurze Verschnaufpause, weil die Erholung nur eine vorübergehende Erleichterung gibt, damit wir von neuem in den Wirrwarr des Alltages finden. Erlösung wäre da eine Lösung, eine permanente Lösung. Gewisse von uns trauen sich nicht, an den nächsten Tag zu denken, da wir den aktuellen kaum überstehen. So beginnen wir mit nur noch zu vegetieren, unsere Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu erledigen und zu hoffen, dass der kommende Schlaf hoffentlich endlich nur einen Bruchteil der ersehnten Erholung bietet. Wir hören von Menschen, die eingeknickt sind, die dem Leben nicht widerstehen und zerbrochen sind, wir hören von Menschen, die souverän das Leben meistern, jede Herausforderung gar als grosse Chance sehen und sich jeden Tag voller Elan und Freude am Leben ergötzen. Wo stehen wir in diesem Zirkus des Lebens, wohin geht die Reise? Geopolitische Unsicherheiten, das Älterwerden, die Sorge um Finanzen, um Gesundheit, um Elan und der Verlust der Lebenslust? Haben wir verlernt, haben wir vergessen, haben wir es nicht begriffen? Der Mensch selbst kann sich nicht retten, der Mensch selbst kann sich nicht erhöhen, erlösen, sonst macht sich Verzweiflung breit, denn wenn gar nichts mehr nützt, keine Selbstdurchhalteparolen, kein Witzeklopfen, kein Schönreden, dann verzweifeln wir. Verzweifeln wir an uns selbst, dann wird uns die Last, die Sorgen, der Widerspruch zu gross, nicht mehr verarbeitbar, nicht mehr verdaubar.
Wir haben eine Hoffnung, ich denke da an die Frau mit Blutfluss, an den Gelähmten, welche seine Freunde vom Dach eines Hauses abgeseilt haben, an Bartimäus, der nichts sehen konnte, an die Bessessen, an die Leprakranken, an die an den Tod geglaubte Tochter, Diener und besten Freund, an die Mutter, an Zachäus, an David, Hiob, Abraham, an die Jünger, an die Mutter Jesu, an die Frauen rund um Jesus, an Martin Luther King, an Billy Graham, an C.S. Lewis and George MacDonald, an meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder, meine Freunde, meine Arbeitskolleginnen und -kollegen, die Frau in der Bäckerei, das Ehepaar aus dem Quartier, meine Nachbarn, meine Frau, meine Kinder und mich.
Wir brauchen einander und wir brauchen so sehr Gott darin. Wir vergessen, dass wir nicht gemacht worden sind um zu kontrollieren, sondern um zu folgen, ihm zu folgen, denn alles andere fällt uns zu. Wir wissen nicht, was der morgige Tag bringt, nicht einmal dieser.
Nehmen wir uns Zeit mit Gott, alleine, nur mit ihm. Schütten wir ihm unsere Sorgen, Aengste, Frust, Verletzung, Wut vor ihm aus, ungeschminkt, ohne schöne glitzerne Masche, sondern echt, roh und schlicht verzweifelt. Weihen wir andere ein. Wir brauchten Gott und uns als Mitmenschen. Verurteilen wir nicht, sondern sind füreinander da. Ja, in vielen Fällen sind wir von den Sorgen des Nächsten selbst überwältigt, doch können wir beten, dass sein Reich komme und sein Wille geschehe, im Vertrauen, dass ER gut ist, in ihm ist keine Falschheit.
Ich wünsche uns einen Neubeginn, ein neues Vertrauen in unseren Jesus, dem Vater und Heiligen Geist. Wir können nicht und das weiss er, denn wir haben einen Hohepriester, der mit uns fühlen kann, er war selbst Mensch und erlebte die Verzweiflung, die Bedürftigkeit selbst, in ihm finden wir Ruhe und Perspektive. Amen
Bist du es Jesus, auf den wir warten sollen, oder müssen wir auf einen anderen warten? Jesus gab ihnen zur Antwort: „Geh zurück und berichtet, was alles geschieht:
Blinde sehen
Lahme gehen
Leprakranke werden rein
Taube hören
Tote werden wieder lebendig
und die Menschen auf der Schattenseite des Lebens hören davon, dass Gott auf ihrer Seite steht.
Wenn es das ist, wonach ihr euch gesehnt habt, dann habt ihr jetzt allen Grund, glücklich zu sein.
Johannes, 11 nach der Übersetzung „Willkommen daheim“
Ich habe es mir selbst eingebrockt, die Warnhinweise nicht gelesen
Ich kann niemanden die Schuld geben
Mein Herz ist verkalkt, es lässt mich kratzen an meiner eigenen verschuldenen Hartherzigkeit.
Mach es weich, Herr, mein hartes Herz, dass nur Effizienz und Zielerreichung sieht, dass der kürzeste Weg will, weil es nicht Geduld und Vertrauen zu kennen weiss.
In meinen Ende zwanziger Jahren musste ich mich mit mir und meiner Geschichte befassen. Ein Burnout hatte mich zum Stillstand gebracht. Gelaubtes schien dem Leben nicht mehr Stand zu halten – Jeden Mittag flüchtete ich in Räumlichkeiten der Dreifaltigkeitskirche in Bern. Kniete, lass die Bibel, betete und begann die täglichen Betrachtungen von Oswald Chambers (my utmost for his highest) zu lesen. Es ging dabei nicht darum, einen Dienst für Gott zu etablieren, sondern ausschliesslich aus der Beziehung zu Gott zu leben und alles andere würde sich logisch ergeben. Starre Bilder von Dienst, Engagement, Berufung musste aus schlichtweg grundlegenden Aspekten der Beziehung zu Gott Platz schaffen. Es ging nicht um gerecht und ungerecht, um gesegnet und verdammt, sondern um die Beziehung, welche nur aus Vertrauen gedeihen kann. War ich fähig, diesem Gott mein Vertrauen zu schenken, ihm zu vertrauen, ihm nicht aus Angst, sondern aus Sehnsucht zu begegnen?
“The most important aspect of Christianity is not the work we do, but the relationship we maintain and the surrounding influence and qualities produced by that relationship. That is all God asks us to give our attention to, and it is the one thing that is continually under attack.”
Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebenundsiebzigmal.“ (Mt 18,21–22)
ich begegne dir, du begegnest mir
der erste Eindruck zählt
doch von wem
ist es mein Eindruck, welcher ich bei dir hinterlasse
ist es dein Eindruck, welcher du bei mir hinterlässt
welcher Eindruck soll hinterlassen werden
den ehrlichen, den gespielten, den erwünschten
doch was ist erwünscht?
Verspiele ich meine guten Eindruck mit dem schlechten
Verspiele ich meinen schlechten Eindruck mit meinem guten
Wie kann ich dich beeindrucken, wenn ich selbst von mir nicht beeindruckt bin
Wie kannst du mich beeindrucken, wenn du dich selbst nicht beeindrucken kannst
Wer von uns wünscht sich nur eine Chance, nur eine Möglichkeit zu überzeugen
Wenn zu überzeugen, mich, dich, doch ich weiss, was im Menschen ist
weil ich mich selbst kenne oder glaube zu kennen
ich kann nett und geduldig sein, doch nur ein Hauch, dann kehrt sich der Wind und meine Gesinnung
Wie soll ich dich beeindrucken, wenn ich selbst nicht göttlich, sondern menschlich bin
Ich werde dich enttäuschen, dich verletzen
Wie sollst du mich beeindrucken, wenn du selbst nicht göttlich, sondern menschlich bist
Du wirst mich enttäuschen, mich verletzen
wie kann dann der erste Eindruck zählen, wenn das schöne ein schatten des unschönen trägt und wenn das unschöne den Schatten des schönen trägt
Wie viele Male muss ich mir und dir vergeben, umkehren von meinen und deinen Ansichten und dich lieben, bis ich verstehe, was es bedeutet hat, dass mein Jesus, dafür sein Leben gelassen und am Kreuz geschrien hat: vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
Herr, hilf uns, dass wir an andere nicht höhere Erwartungen haben als an uns, lass uns unsere schweren Herzen der Unvergebung zu dir bringen, wir bitten dich um Vergebung, weil wir wieder einmal nicht bei uns angefangen haben, sondern den Finger auf den Nächsten gezeigt haben. Schenk uns deine Liebe, deine Grosszügigkeit, deine Vorschusslorbeeren, deinen Goodwill, dein Vertrauen, deinen Mut zu vergeben und mit neuer Kraft voranzugehen. Ohne dich können wir es nicht, ohne dich verzweifeln wir an uns selbst und an unseren Nächsten. Amen
In den nächsten drei Wochen lasse ich drei Schriftsteller zu Worte kommen, welche mich und mein Glaubensleben erheblich beeinflusst haben.