In meinen Ende zwanziger Jahren musste ich mich mit mir und meiner Geschichte befassen. Ein Burnout hatte mich zum Stillstand gebracht. Gelaubtes schien dem Leben nicht mehr Stand zu halten – Jeden Mittag flüchtete ich in Räumlichkeiten der Dreifaltigkeitskirche in Bern. Kniete, lass die Bibel, betete und begann die täglichen Betrachtungen von Oswald Chambers (my utmost for his highest) zu lesen. Es ging dabei nicht darum, einen Dienst für Gott zu etablieren, sondern ausschliesslich aus der Beziehung zu Gott zu leben und alles andere würde sich logisch ergeben. Starre Bilder von Dienst, Engagement, Berufung musste aus schlichtweg grundlegenden Aspekten der Beziehung zu Gott Platz schaffen. Es ging nicht um gerecht und ungerecht, um gesegnet und verdammt, sondern um die Beziehung, welche nur aus Vertrauen gedeihen kann. War ich fähig, diesem Gott mein Vertrauen zu schenken, ihm zu vertrauen, ihm nicht aus Angst, sondern aus Sehnsucht zu begegnen?
“The most important aspect of Christianity is not the work we do, but the relationship we maintain and the surrounding influence and qualities produced by that relationship. That is all God asks us to give our attention to, and it is the one thing that is continually under attack.”
Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebenundsiebzigmal.“ (Mt 18,21–22)
ich begegne dir, du begegnest mir
der erste Eindruck zählt
doch von wem
ist es mein Eindruck, welcher ich bei dir hinterlasse
ist es dein Eindruck, welcher du bei mir hinterlässt
welcher Eindruck soll hinterlassen werden
den ehrlichen, den gespielten, den erwünschten
doch was ist erwünscht?
Verspiele ich meine guten Eindruck mit dem schlechten
Verspiele ich meinen schlechten Eindruck mit meinem guten
Wie kann ich dich beeindrucken, wenn ich selbst von mir nicht beeindruckt bin
Wie kannst du mich beeindrucken, wenn du dich selbst nicht beeindrucken kannst
Wer von uns wünscht sich nur eine Chance, nur eine Möglichkeit zu überzeugen
Wenn zu überzeugen, mich, dich, doch ich weiss, was im Menschen ist
weil ich mich selbst kenne oder glaube zu kennen
ich kann nett und geduldig sein, doch nur ein Hauch, dann kehrt sich der Wind und meine Gesinnung
Wie soll ich dich beeindrucken, wenn ich selbst nicht göttlich, sondern menschlich bin
Ich werde dich enttäuschen, dich verletzen
Wie sollst du mich beeindrucken, wenn du selbst nicht göttlich, sondern menschlich bist
Du wirst mich enttäuschen, mich verletzen
wie kann dann der erste Eindruck zählen, wenn das schöne ein schatten des unschönen trägt und wenn das unschöne den Schatten des schönen trägt
Wie viele Male muss ich mir und dir vergeben, umkehren von meinen und deinen Ansichten und dich lieben, bis ich verstehe, was es bedeutet hat, dass mein Jesus, dafür sein Leben gelassen und am Kreuz geschrien hat: vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
Herr, hilf uns, dass wir an andere nicht höhere Erwartungen haben als an uns, lass uns unsere schweren Herzen der Unvergebung zu dir bringen, wir bitten dich um Vergebung, weil wir wieder einmal nicht bei uns angefangen haben, sondern den Finger auf den Nächsten gezeigt haben. Schenk uns deine Liebe, deine Grosszügigkeit, deine Vorschusslorbeeren, deinen Goodwill, dein Vertrauen, deinen Mut zu vergeben und mit neuer Kraft voranzugehen. Ohne dich können wir es nicht, ohne dich verzweifeln wir an uns selbst und an unseren Nächsten. Amen
In den nächsten drei Wochen lasse ich drei Schriftsteller zu Worte kommen, welche mich und mein Glaubensleben erheblich beeinflusst haben.
Der Mensch scheint einfach so in die Welt geworfen worden zu sein, ohne sein zutun. Er wird konfrontiert mit dem Leben, welches ihn prägt und in welchem er andere prägt. Er ist ein Meister der Interpretation, sei es zu seinen Gunsten (Recht) oder zu seinen Ungunsten (Opfer). Er verwickelt sich in Widersprüche, welche er zu seinen Gunsten oder aufgrund äusserer Einwirkungen wohl auch zu seinen Ungunsten wählen muss. Er ist hin und her gerissen um anderen doch speziell sich selbst zu genügen und davon kriegt er nie genug, auch wenn sich mehr und mehr Resignation breit macht.
Ich glaube, dass ich nicht in diese Welt hineingeworfen, sondern in Begeisterung von meinem Schöpfer erschaffen wurde, mich mit ihm zu verbinden und von ihm immer wieder an der Hand geführt zu werden, fest zu stellen, dass es nicht um mich, rund um mich geht, sondern, dass ich mich und andere nur entsprechend begegnen kann, wenn er der Anfang und das Ende und alles für mich ist, weil er alles von sich für mich gegeben hat. So kann ich lernen mit meinen Kämpfen fertig zu werden, weil ich ihm Rechenschaft schuldig bin, besser, weil, dass was er über mich und meine Nächsten denkt und sagt alles ist, was sich für ein Leben lohnt. Begeistere mich für dich, meinen Nächsten und mich. Denn das bleibt in Ewigkeit, Amen.
Schon lange kennen wir uns. Als Baby habe ich dich bereits gekannt, mir dir älter geworden. Heute bist du erwachsen. Ich ein paar Jahrzehnte älter. Du blühst auf und ich ergraue. Uns verbindet die Liebe zum Humor, zu unseren Familien und zu Gott. Es ist nicht leicht, das Leben. Es gilt sich darin zu finden und manchmal neu zu erfinden. Das Leben kann manchmal mit Wehen verglichen werden. Wenn eine Phase des Lebens durchlebt ist, werden Lebensdurchbrüche, Neuanfänge, Platz für neue Bilder, Gottesbilder geschaffen. Das Leben zieht bei dir nicht immer mit wehenden Fahnen, mit Fanfaren ein. Ich weiss nicht was dich beglückt oder bedrückt. Ich weiss, dass ich als Mitmensch mich sehne, dass es dir gut geht, nein, mehr, dass du deinen Weg findest, in den Frieden, in die Ruhe. Bis zum heutigen Tag kenne ich selbst, dass mich Traurigkeit und Trostlosigkeit überfallen können, aus dem heiteren Himmel. Ich klage mich selbst an und dann falle ich in die Sümpfe der Minderwertigkeit.
Ich klage dich nicht an, ich rede deine Situation nicht schön und überdünche sie nicht mit religiösem Geschwaffel. Ich bete für dich und uns alle. Ich bin ehrlich, ich weiss nicht was und wie ich beten soll.
So lege ich deine Situation mit Seufzen und Tränen vor unserem Jesus nieder.
Jeden Fehler, jedes Überreagieren, jedes Emotionale, jedes Vergreifen der Worte, jedes Enttäuschen, jedes Übergehen wird zur Hypothek, zu mehreren Hypotheken und einerseits spannend wie ich auf die Reaktion auf mein Fehlverhalten reagiere (dann merke ich plötzlich wie schnell ich beleidigt und gar narzistisch reagieren kann) und anderseits schaut mich Gott an und er bittet mich zu vergeben (der beste Ausweg gegen Narzissmus) und es für mich ebenso zu tun und dann erinnert Er mich, dass er für meine Hypothek gestorben ist, er sie vollumfänglich bezahlt sind. Ja, was wenn mir andere diese Hypothek nicht vergeben, dann orientiere ich mich an Ihm und lasse los, ohne Angst, andere zu verletzen oder zu enttäuschen. Nur wenn ich frei bin, dann kann ich mit Mut und Freude weitergehen. So wie jeder Morgen neu anfängt, so kann ich neu beginnen, mir, dem Nächsten und mit Gott und ihm neubegegnen. Ich schliesse die Türe des Selbstmitleids und Rache und trete in die Weite Gottes. Amen
Der grösste Verklärer der Wahrheit ist die Selbstsorge und die Sorge um den Nächsten. Um durch diesen dicken Nebel zu treten, braucht es eine Entscheidung, eine Entscheidung zu vertrauen, nicht dem Adressaten der Sorge, sondern dem Erschaffer des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, dem Weg, der Wahrheit und des Lebens: Jesus
Wenn ich mich diesem Gott nähern möchte, kann ich nicht einfach mit schönen Worten, Poesie und starken Gefühlen trumpfen, nein, es braucht nicht mehr, sondern mich, nicht die Fassade einer Bühne, schön angefärbte Fenster, Scheinwerfer, nein, mich. Doch wie? Ehrlichkeit, ja, Treue unbedingt, Opfer?, nein, vertrauen und umsetzen des Vertrauens des Gehörten in die Wirklichkeit, ich tue es nicht in erster Linie um ihm näher zu sein, es ist das logische Nachfolgende, was daraus besteht, er will mich und ich kann nur mich sein, wenn ich mich in ihm auflöse, mich vor ihm beuge, weil ich nichts weiss und ich nicht kann, wenn er nicht mich nimmt. Ich habe Angst, wenn ich ihn um seinen Willen frage, was wenn ich nicht kann, nein will und ich erkenne, dass der Anfang die Furcht des Herrn ist, ich zittere vor ihm, ich sehe den Sohn, doch in seiner Herrlichkeit, verklärt und ich aus Staub, unverlässlich, eigensinnig, egozentrisch, ungeduldig, nur auf die eigene Lust konzentriert und er führt mich zurück, denn wenn ich eine Krone tragen soll, dann lege ich meine ab, und kröne ihn, meinen Heiland, meinen König Jesus.
Κύριε, ας είμαι το στέμμα Σου, στεφανωμένος με αγαθότητα και έλεος, όχι στεφάνι από αγκάθια. Αμήν.
אדוני, תן לי להיות הכתר שלך, עטור בטוב וברחמים, ולא בכתר קוצים. אמן.
يا رب، اجعلني تاجك، متوجًا بالخير والرحمة، لا إكليلًا من الشوك. آمين.
주님, 저를 당신의 면류관이 되게 하소서. 가시 면류관이 아닌 선함과 자비로 관을 쓴 면류관이 되게 하소서. 아멘.
Doamne, lasă-mă să fiu coroana Ta, încununat cu bunătate și milă, nu cu o coroană de spini. Amin.
Господи, пусть я буду Твоей короной, увенчанной добротой и милосердием, а не венком из терний. Аминь.
Signore, lasciami essere la tua corona, incoronata di bontà e misericordia, non una corona di spine. Amen.
Seigneur, que je sois ta couronne, couronnée de bonté et de miséricorde, et non d’épines. Amen.
Lord, let me be Your crown, crowned with goodness and mercy, not a crown of thorns. Amen.
Herr, las mi di Chrone si, chrönt mit Güeti u Barmhärzigkeit, ke Chrone us Dorne. Amen
danke, dass du dich mit mir dieses Jahr auf den Weg gemacht und dich hineingezogen hast in den Strom der Güte und Barmherzigkeit Gottes. Es ist ein Privileg zu schreiben, für mich und dich zu schreiben und ich hoffe, dass du dich durch die Texte erfrischt, beflügelt, herausgefordert und getragen gefühlt hast.
Gott ist wesentlich besser als sein Ruf, ja in ihm ist keine Finsternis.
Ich weiss nicht wo du in deinem Leben stehst, was dich beschäftigt, dich beglückt oder betrübt. Wenn du Lust hast schreibe mir doch an smo@created-by-design.org und lasse mich wissen, wie es dir ergangen ist beim Lesen der Texte, was dich beglückt oder bedrückt. Wir sind alle im gleichen Boot und brauchen einander und vielmehr miteinander Gott.
Für die Feiertage wünsche ich dir viel Muse, Zeit für dich oder mit deinem Mitmenschen. Du bist über alle Massen geliebt, lieber Mensch.