Alles Neu – Vergeben

Heute habe ich die Liste um eine weitere Familie ergänzt. Nicht unfreiwillig. Nach dem Gottesdienst hat mich eine Nachbarin mit ihren Fragen auf dem falschen Fuss erwischt. Anstatt die Fragen der guten Frau zu beantworten, habe ich ihr sarkastisch geantwortet. Es brauchte diesmal keine Woche, bis ich offensichtlich erkannt habe, dass meine Reaktion alles andere als freundlich war. Heute habe ich sie auf die Liste genommen, weil sie mich seit Jahren nervt und ich ihr so gut es geht ausweiche und mich nicht selten lustig über sie mache. Heute konnte ich ihr nicht ausweichen und habe die Gunst der Stunde nicht verstanden, mich mit ihr einzulassen. Normalerweise segne ich die Leute auf der Liste, doch konnte ich, nachdem ich mich so offensichtlich daneben benommen habe, nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen. Bei längerem Nachdenken kam mir das “Unser Vater” auch in Bezug auf die allgemeine, durch Jesus formulierte Vergebung des Nächsten in den Sinn. Sicherlich, sobald es mir bewusst wurde, dass ich an der Dame ungerecht gehandelt habe, habe ich mich bei Gott entschuldigt, doch habe ich ihr nicht vergeben. Sollte ich jetzt die ganze Liste durch beten und für die 90% der Leute, welche ich aus meinem Naturelle heraus bereits Liebe empfinde das gleiche tun? Verwundert, überrascht: während ich die Liste durch gebetet habe und all den Menschen vergeben habe, kam hier und da eine bittere Pille, ein leichtes Verkrampfen des Herzens zutage und es erstaunt, dass sich Unvergebung, Bitterkeit breitmacht. Andere Menschen von der Schuld loszubinden, in dem ich ihnen vergebe, bindet mich als erster los und die daraus resultierende Vergebung meinerseits eröffnet eine wesentlich grössere Tiefe.

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Photo by Omar López on Pexels.com

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