smö, Bern, 2023 AC
an
König David, Jerusalem, 1000 BC
Verehrter König David
es durchaus ungewöhnlich, gar surreal, dass sich ein Mensch aus dem 21 Jahrhundert nach Christus an einen Menschen aus dem 10 Jahrhundert vor Christus zu schreiben versucht, mit der Gewissheit, dass der eine die Nachricht nie erhalten und der andere nie auf dessen Antwort hoffen kann. Somit könnte man sagen, dass es sich in diesem Briefwechsel um einen Monolog handeln könnte. Doch erachte ich es als wichtig und nötig, wenn nicht gar unumgänglich, diesen Brief an dich, verehrter König David, zu schreiben. Du hast mich, seit ich ein Kleinkind war, fasziniert, mit geprägt in deiner ehrlichen und authentischen Art, wie du dich, andere und Gott gesehen hast. Du hättest dir selbst wohl nicht vorstellen können, dass 3000 Jahre später, Menschen deine Schriften immer noch zitieren, ja, nicht nur Menschen aus deinem Kulturkreis, sondern auf der ganzen Welt, alle Stämme, Völker, vom Lande der aufgehenden Sonne bis zum deren Untergang. Dass das Zitieren deiner Gedanken bis heute ununterbrochen vorgelesen, vorgesungen, gebeten werden und immer noch den Geist berühren und beflügeln. Ich danke dir, dass du dich an diesen Gott gehangen hast, ihn von ganzem Herzen gesucht hast, dich auf ihn verlassen hast, nicht locker gelassen hast, bis sich sein Wille und sein Reich in deinem Volk etabliert hat. Du warst ein einfacher Hirtenjunge, der Jüngste, die Menschen haben lange deine Kraft, deine Visionen nicht verstanden, dich nicht ernst genommen, du kennst das, damals als du alleine auf dich gestellt warst, die Schafe deines Vaters hütend, kämpfend gegen Löwe und Bär, später als Waffenträger von König Saul, ausgeschlossen, geflüchtet, mit einer Gruppe ausgestossener Kämpfer, dich in den Bergen verschanzen musstest. Auch du warst damals bereits ein gesalbter König Israels gewesen, ein König ohne Thron, ohne Würde, ohne Zuhause, und trotzdem hast du festgehalten, hast dich durch deine Wut nicht lenken lassen, Gott treu ergeben. Du bist eine Inspiration, heute noch. Es ist viel geschehen, verehrter König David, seit du gestorben bist, dein Reich wurde in zwei geteilt, der Norden wie auch der Süden wurden verschleppt in die ganze Welt bis heute. 1000 Jahre nach deinem Tod ist er geboren, von dem die Propheten vorausgesagt haben, dass er kommen würde, der Messias, der Gesalbte, ein Nachkomme von dir, Gott hat Wort gehalten. Er kam, um die Sünde aller zu tragen, sie zu ertragen und zu zerbrechen bis zu seinem Tode. Er ist auferstanden für alle, die gezweifelt haben, vielleicht so wie du, verehrter König David, sicherlich so wie ich und hat die Welt gelehrt, auf ihn ist Verlass, er kommt nie zu spät. Er ist auferstanden, er sitzt zur Rechten deines und seines Vaters im Himmel, oh Gott sei Dank, alles in was du investiert hast, hat sich gelohnt, jede Sekunde des Flehens, des Kämpfens für sein Reich hat sich gelohnt. Und du wirst mich vielleicht fragen, wie es mit meinem Volk, wie mit der Welt steht. Hat die Welt erkannt, dass der Nachkomme Frieden und Versöhnung bringen wird? In deinem Land kämpfen deine Nachkommen mit anderen Stämmen. Verluste auf beiden Seiten. Die Welt liegt im Argen, verehrter König David. Haben wir die Worte des Messias nicht verstanden, geht es uns immer noch um Auge um Auge und Zahn um Zahn, um das durchsetzen des Rechts, auf der Positon des Recht verrharend. Der Gesalbte hat sich nie geschont, er hat sich auf die Wange schlagen lassen und nicht dagegen protestiert, sich nicht enerviert, sich sein Recht nicht genommen. Ich weiss nicht, verehrter König David, wie du es heute sehen würdest. Würdest du diese Unterscheidung zwischen gerecht und ungerecht immer noch in gleicher Weise meinen? Was bringt es, wenn ich mich als Menschen auf den Standpunkt stelle, recht zu behalten, nur weil ich meinen Gott anhange und die anderen als ungerecht beurteile? Verhärte ich so nicht mein Herz, erstarre ich nicht in meiner eigenen Hartherzigkeit, werde ich nicht gegenüber anderen selbstgerecht und nehme mich so aus der eigenen Verantwortung der Reflexion? Ich werde ein hohles Gefäss, nach Aussen glänzend und nach innen verrottet, sich geistlich zurückentwickelnd, die Opfermentalität stärkend? Mein verehrter König David, es raubt mir den Schlaf, es betrübt meinen Geist, es macht mich unstetig, es lässt mich nicht in Ruhe, es quält mich bis tief in mein Inneres, dass wir alle nicht fähiger, fähig sind, einfach fähig das Alte hinter uns zu lassen. Du bist königlich, wir sind es, dank dem Auferstandenen, doch nur eines bleibt, mein lieber David, mein Bruder, ich bin bereit meine Waffen zu senken, meine Wut hinter mich zu lassen, und dem Mitmenschen zu begegnen als einer unter ihnen, erschaffen in Güte und Barmherzigkeit, ausgedacht vor der Zeiten Anfang, so behalte ich Glaube, Liebe, Hoffnung, dass es mit dieser Welt noch nicht zu Ende ist, auch wenn es überall brennt, schreit, flucht. Ich halte daran fest, der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, er ist bei mir in Dunkelheit und nähme ich Flügel der Morgenröte bis zum äusseren Rand, wäre er doch bei mir, er kennt mich, er hat mich bereitet im Stillen, Güte und Barmherzigkeit folgen mir mein Leben lang und ich bleibe für immer in seinem Haus. Mein lieber David. Vor 53 Jahren habe ich begonnen Gott, deinen Gott zu suchen und ich habe einen Vater gefunden. Er hat mich bei meinem Namen gerufen, ich bin sein. Ich bin gekrönt mit Liebe und Barmherzigkeit und für das, will und muss ich kämpfen, mich einsetzen, dafür einstehen, created by design, dass er mich zuerst geliebt hat, so will ich, mit Hilfe meines, unseres Gottes das einzige tun was zählt, das einzige was ich dieser Welt geben kann: Liebe…
