Glaube ich, dass der Gott an den ich Glaube, es gut meint, glaube ich, dass er die Welt so geliebt hat, dass er seinen Sohn in die Welt sandte, damit alle die an ihn glauben ewig leben mit ihm, glaube ich, dass Gott als Vater, besser als jeder irdische Vater sein kann, würde ich ihm alles anvertrauen mein tiefster Schmerz, meine Scham, meine Vergehen, mich vor seine Füsse werfen nicht aus Angst, sondern in Verzweiflung im Wissen, wenn die Welt neben oder ihn mir zerbrechen würde, nur er mich retten könnte. Glaube ich das, kann ich meinem Gott vertrauen, nicht nur weil es die Bibel sagt, sondern weil ich ihm vertrauen kann? Ich kann nur vertrauen, wenn ich erlebt habe, dass dieser Gott vertrauenswürdig ist.
Welchen Willen tue ich lieber, aus Angst vor Bestrafung und Hölle oder als Sehnsucht und Freude, weil ich ihm vertrauen kann? Wenn ich herausfinden will, was Gottes Wille ist in meinem Leben, dann beginne ich mit der Beziehung mit ihm. In kleinen Schritten, wenn ich an den Punkt komme, in welchem ich ihm nicht ohne weiteres vertrauen kann, dann halte ich inne und warte.
Einige Fasten und Verzichten, um den Willen Gottes zu erkennen. Ich habe nichts dagegen, doch bringt es wenig, wenn du fastest und in dir immer noch dieser strafende Gott, dieser unbarmherzige Vater erscheint, du kannst nicht für den Willen beten, ohne bodenlos zu scheitern. Du würdest nach dieser Fastenzeit ggfs. noch weniger wissen und dich verdammter fühlen.
Frage dich, weshalb will ich Gottes Wille in meinem Leben erkennen? Was sind die Beweggründe, was ist meine Motivation? Habe ich länger nicht mehr gebetet und die Bibel gelesen und fühle mich schuldig? Stehen wichtige Entscheidungen an und ich möchte keinen Fehler machen und Gott erzürnen?
Hast du in deinem Leben auf deine Eltern vertrauen können, waren sie da in unsicheren Zeiten, waren sie dir als Kleinkind, Schutz und Schild. Konntest du unmöglich benehmen und wurdest trotzdem geliebt, ja wurdest du nach menschlichem Ermessen, bedingungslos geliebt? Falls es nicht deine Eltern waren, gab es sonst jemand in deinem Umfeld, welche dir diese Aspekte vorgelebt haben? Falls nicht, schreibe auf, was dir gefehlt hat in deiner Kindzeit und was du vielleicht auch heute an die nächste Generation weitergeben hast. Lese sie durch, wiederkäue sie, sie werden dir früher oder später die Tränen fliessen lassen, du wirst Enttäuschung wahrnehmen, vielleicht auch Scham, vielleicht auch Wut und gegenüber deinen Eltern und schlussendlich Wut auf Gott, Unverständnis, weshalb er nicht eingegriffen hat, lass die Wut heraus, lass die Tränen fliessen, sei brutal ehrlich, lasse nichts zurück, vielleicht brauchst du weitere Hilfe, durch Freunde, welche du vertrauen kannst, oder suche dir ggfs. auch prov. Hilfe. Bring die toten Hunde aus deinem Keller, aus deiner Kinderseele. Deine Seele beginnt sich von dem Schmutz, dem Dreck, dem Gestank zu trennen. Dann bist du endlich ehrlich gegenüber dir selbst, gegenüber Gott selbst. Dann kann er beginnen, dieseń Topf zu formen und endlich hat er die Möglichkeit, seine Liebe auf fruchtbaren Boden auszustreuen, Licht ins Dunkel zu bringen, und desto länger du trauerst, desto grösser die Freude, den Frieden, das Heimkommen.
Dann vielleicht, wenn es wirklich an der Zeit ist, wirst du Fasten und Verzichten, aber nicht aus dem falschen Gottesverständnis, sondern als Freundin, Freundin, Tochter und Sohn des Allerhöchsten: ihn zu suchen, anzuklopfen und zu bitten braucht vertrauen, braucht Bedürftigkeit, braucht brutales einfaches Menschsein, ohne selbstgebastelten Heiligenscheine, ohne selbstgebastelte Kreuze, an welche ich mich selbst schlage. Er hat sich und mich ertragen, am Kreuz, aus Gnade sind wir gerettet.
Amen
