Einige von uns glauben an die Bibel und lassen nichts ungelassen, das Buch ins Zentrum der Erkenntnis zu rücken, einige von uns glauben an Zeichen und Wunder und legen den Fokus darauf, einige von uns glauben, dass verzicht auf gewisse Lebensmittel und das Halten von gewissen Tagen alles ausmacht, einige von uns glauben, dass Maria eine Mittlerin ist zu Jesus und für uns einsteht, einige von uns glauben, dass der Fokus auf die Trennung von Gott zu legen ist und thematisieren Homosexualität und Keuschheit als Zentrum, einige von uns sind einfach nur verwirrt, einige von uns haben aufgehört zu glauben, einige von uns suchen und scheinen nicht zu finden. Doch was einige zum gesamten ausmacht, suchen wir immer wieder die Uniqueness in unseren zentralen Themen ohne Überlegung, was wir damit uns und unseresgleichen antun.
Heben wir den anderen nicht als falsch und uns als richtig, den anderen als Täter und uns als Opfer hervor. Wie würde Jesus darauf reagieren. Würde er unsere Engstirnigkeit nicht anklagen, wie die der Schriftgelehrten und Pharisäer, wir nur auf das Äussere bedacht und vergessen, uns zu reflektieren. Ja, ich weiss und ich bin auch dabei, es tut weh, es belastet und zwingt auf die Knie: die eigene Befindlichkeit, der eigene Vorstellungswahn, das eigene Recht haben, verteidigen der eigenen Standpunkte.
Nicht ich bin die Wahrheit, Jesus, nicht ich bin der Weg, Jesus, nicht ich bin das Leben, Jesus ist es.
Wir sind geprägt von unserer Vergangenheit, von unserer religiösen Abgrenzung bis hin zur Ausgrenzung, ob evangelikal, charismatisch, katholisch, konservativ, zweifelnd. Wir haben überall Lücken: Wissenslücken, Lücken durch Dogma, Opfer etc. Halten wir uns mit Vorurteilen zurück, ich weiss, es braucht viel, nicht viel Einfühlungsvermögen, sondern Selbstreflexion.
Ich schreibe diese Zeilen nicht aus einer Laune, aus einem lyrischen Gefühl, sondern aus selbst und fremd erleben. Die Ausgrenzung macht mich müde, es nimmt mir den Atem und frustriert mich. Nicht die Gegensätzlichkeit, sondern das Palaver rund um meine eigenen Vorstellungen. Ich schalte lieber meinen Verstand ein, auch jetzt, wo es darum geht, diesen in diesem Zusammenhang Gott zu überlassen und mit dem Herzen zu hören. Wenn ich auf die Verschiedenheit, mit Trotz, Wut und Ausgrenzung reagiere, dann sehe ich in mir selbst keine Inspiration mehr, keine Inspiration durch den heiligen Geist mehr.
Auch ich bin geprägt und ich bin nicht mehr bereit, Herr, andere auszugrenzen, weder freikirchlich, reformiert, katholisch geprägt. Ich stehe vor dir, ich bin verantwortlich und ich gehe den Weg mit dir und reiche die Hand:
„Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden […] Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden […] den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“
Paulus
When you have reached your own room, be kind to those who have chosen different doors and to those who are still in the hall. If they are wrong they need your prayers all the more; and if they are your enemies, then you are under orders to pray for them. This is one of the rules common to the whole house.“
Clive Staples Lewis
