Heilig Abend – Tempestas

Stunden später suche ich mir einen Platz zum Schlafen, abseits der Gruppe und zünde mir ein Feuer an. Plötzlich zieht ein Sturm auf, ein Sandsturm, er rasst auf mich zu. Ich versuche mein Gesicht zu bedecken. ich versuche wegzurennen, ich versuche mich im Sand ein zu graben. Der Sandsturm trifft meine Körperteile mit so einer grossen Wucht, dass es scheint, alle Teile würden zerbersten. Ich schreie, doch kein Laut ist zu vernehmen, ich versuche die Augen zu schliessen, doch kann ich sie nicht schliessen. Wie in Todesstarre muss ich mich diesem Sandsturm stellen, ich kann nichts dagegen tun.

Zuerst tönt es wie ein Rauschen, dann höre ich Stimmen im Sturm, die mir zurufen, wie tausend Wasserbäche: BIST DU WÜRDIG, DU STERBENDER MENSCH, BIST DU WÜRDIG? Panik und Angst überfallen mich, ich möchte Schreien vor Angst, doch kriege ich keinen Ton heraus. Die Stimmen sagen nochmals, BIST DU WÜRDIG, STERBENDER MENSCH, BIST DU WÜRDIG? Ich versuche mich zu verstecken, ich möchte mit dem Sand verschmelzen. Zum dritten Mal schreien die Stimmen: STERBENDER MENSCH, BIST DU WÜRDIG? Doch kann ich nicht antworten, der Sturm wird noch stärker und ich hoffe, dass er über mich hinweg weht. Er bleibt und wird stärker, reisst mir die Haut von den Knochen, ich schreie und schreie vor Schmerzen. BIST DU WÜRDIG, STERBENDER MENSCH. Ich schreie und drehe mich, kann mich nicht mehr verstecken, mich verstellen. BIST DU WÜRDIG, STERBENDER MENSCH. ANTWORTE MIR, STERBENDER MENSCH, schreit mir die Stimme entgegen. und ich schreie zurück: nein, nein, nein, ich bin nicht würdig, ich bin nicht würdig. DANN HAST DU KEINEN ANTEIL AN MIR, folgt die Stimme. BIST DU WÜRDIG, STERBENDER MENSCH. Nein, ich bin nicht würdig und hätte den Tod verdient, meine Schuld drückt mich zu Boden, ich habe es nicht verdient, ich bin nicht würdig. Nach diesen Worten nimmt der Sturm nicht ab. DU KANNST ES NIE, DU WIRST ES NIE KÖNNEN. Ich schreie vor Angst und Verzweiflung. DOCH ICH KANN ES, folgt die Stimme. ICH KANN ES. GIB MIR DEIN WERTVOLLSTES. Was willst du, Herr. Was willst du, Herr. ES WIRD DICH ALLES KOSTEN, DOCH GIB MIR DEIN WERTVOLLSTES. Ich habe Angst, Herr, ich kann nicht, ich habe Angst, Herr, doch was willst du von mir. ICH WILL DEIN HERZ. Ich kann nicht leben ohne mein Herz. JA, DAS STIMMT, DU WIRST STERBEN. Ich will leben, Herr. DU MUSST STERBEN, SONST KANNST DU NICHT LEBEN, STERBENDER MENSCH. Mit letzter Kraft sage ich ja, und ich spüre wie eine grosse durchbohrte Hand aus dem Sturm auf mich zukommt, JETZT, STERBENDER MENSCH, VERTRAUE MIR, ich lass es geschehen und er reisst mir mein Herz aus dem Leib.